UNTERNEHMENSBEWERTUNG

Ermittlung des Unternehmenswerts bei mittelständischen Unternehmen in der Praxis

Ein am Markt erzielbarer Verkaufspreis bzw. Kaufpreis eines mittelständischen Unternehmens resultiert entweder auf Basis einer

  • Share Deal Bewertung oder
  • Asset Deal Bewertung.

Share Deal Bewertung und Asset Deal Bewertung sind zwei voneinander unabhängige Kauf- bzw. Verkaufsme­thoden, die in der Praxis konsequent getrennt werden müssen.

Bei einer Asset Deal Bewertung werden die Wirtschaftsgüter (Assets) des gegenständlichen Unternehmens bewertet und übertragen, wobei die folgenden Assetkategorien herangezogen und nach Marktpreisen bewerten werden:

  • monetäre Vermögenswerte,
  • Sachanlagevermögen und
  • immaterielle Vermögensgegenstände.

Bei einer Share Deal Bewertung wird der Nettofinanzwert einem auf Basis eines Multiplikators errechneten Unternehmenswert dazuaddiert oder davon in Abzug gebracht. Der diesbezügliche Unternehmenswert resultiert aus der Multiplikation des entsprechenden Branchenfaktors mit dem Mittelwert des konsolidierten sowie des um einmalige und inhaberbedingte Posten bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (EBIT=Earnings Before Interest and Taxes) der letzten drei Geschäftsjahre, sofern die operativen Umsätze und Erträge des Unternehmens relativ gleichförmig waren.

Der zum Einsatz gebrachte Multiplikator ergibt sich sowohl aus vergleichbaren Branchentransaktionen als auch aus der Positionierung des gegenständlichen Unternehmens am Markt. Der Nettofinanzwert errechnet sich aus den Verbindlichkeiten, aus den Guthaben usw. des gegenständlichen Unternehmens. Dem Ergebnis aus Unternehmens- und Nettofinanzwert wird dann noch das nichtbetriebsnotwendige Firmenvermögen, falls vorhanden, dazuaddiert, um so auf den Verkaufspreis bzw. Kaufpreis für 100% der Anteile (Shares) der Gesellschaft zu kommen.

Die häufig angewandte Discounted-Cashflow-Methode (DCF) verlangt nach umfangreichen Basisinformationen. Aufgrund ihrer Komplexität eignet sie sich vorwiegend für größere Unternehmen. Zudem baut auch die der DCF-Methode analogen Ertragswert-Methode auf einem zukunftsbezogenen Geschäftsgang des Unternehmens auf.

Dabei werden bei der Discounted-Cashflow-Methode die zukünftigen Zahlungsströme (Cash­flows) bzw. Ausschüttungen des gegenständlichen Unternehmens und bei der Ertrags­wertmethode vornehmlich die zukünftigen Erträge des gegenständlichen Unternehmens auf Basis von Planungsrechnungen oder Schätzungen prognostiziert, auf den Bewertungsstichtag abgezinst (diskontiert) und dann zusammengezählt, wobei unterschiedliche Beurteilungen der Risiken usw. zu Bewertungsunterschieden führen.

Im KMU-Bereich wird praktisch nie die Zukunft bzw. Prognosen gekauft. Schließlich bedie­nen sich auch international tätige Unternehmen der obigen, gegen­warts- und vergangenheitsbezogenen Multiplikatorenmethode.